Gedichte

Spaziergang

01.02.21

 

Als ich so ging durch Wald und Flur,
genießend blühende Natur,
da sah ich Müll und Plunder.

Als ich so blätterte in einem Heft
aus einem "Eine Welt Geschäft"
da sah ich viele Wunder:

Ein Roboter aus alten Drähten,
den Lumpenball, den selbstgenähten,
ein Auto aus drei Coladosen,
ein Clown mit Tragetaschenhosen.

Als ich so ging durch Wald und Flur,
genießend blühende Natur,
begann ich mich zu schämen.

Weil irgendwo auf dieser Welt,
ein Kind von Gott dorthin gestellt,
mit Müll muss vorlieb nehmen.

Hans-Georg Wigge

Aus die deutsche Gedichtebibliothek DEUTSCHE GEDICHTE / GERMAN POEMS (xbib.de)

Der Januar von Erich Kästner

18.01.19

 Das Jahr ist klein und liegt noch in der Wiege.

 Der Weihnachtsmann ging heim in seinen Wald.

 Doch riecht es noch nach Krapfen auf der Stiege.

 Das Jahr ist klein und liegt noch in der Wiege.

 Man steht am Fenster und wird langsam alt.

 

Die Amseln frieren.

 Und die Krähen darben.

 Und auch der Mensch hat seine liebe Not.

 Die leeren Felder sehnen sich nach Garben.

 Die Welt ist schwarz und weiß und ohne Farben.

 Und wär so gerne gelb und blau und rot.

 

Umringt von Kindern wie der Rattenfänger,

 tanzt auf dem Eise stolz der Januar.

 Der Bussard zieht die Kreise eng und enger.

 Es heißt, die Tage würden wieder länger.

 Man merkt es nicht. Und es ist trotzdem wahr.

 

Die Wolken bringen Schnee aus fremden Ländern.

 Und niemand hält sie auf und fordert Zoll.

 Silvester hörte man’s auf allen Sendern,

 dass sich auch unterm Himmel manches ändern

 und, außer uns, viel besser werden soll.

 

Das Jahr ist klein und liegt noch in der Wiege.

 Und ist doch hunderttausend Jahre alt.

 Es träumt von Frieden. Oder träumt’s vom Kriege?

 Das Jahr ist klein und liegt noch in der Wiege.

 Und stirbt in einem Jahr. Und das ist bald.

 

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